Gebet

Ein Gedicht der Kaiserin Elisabeth von Österreich, notiert im DAS POETISCHE TAGEBUCH (1887).

„Es steigt meine Seele zum Boote heraus
und kniet auf den schwellenden Wogen
Die haben wie dröhnendes Orgelbraus
Sie unwiderstehlich gezogen.

Jehova! der mächtig Du Meere erschufst
Und dieses Atom, meine Seele.
Von Bergen zu Meeren, bis du sie nicht rufst.
Irrt rastlos vom Fels sie zur Welle.

Jehova! Du schufst diese Erde zu schön!
Drum hat meine Seele kein Bleiben:
Sie dürstet noch schönere Welten zu seh’n.
Die ferne im Äthermeer treiben.

Jehova! o lass meine Seele bald knien
Auf goldenem lichten Planeten;
Wenn unten die Meere vorüber dann zieh’n
Wird jauchzend sie auf zu Dir beten.“