Die Reiternomaden auf der Schallaburg

Ich hatte gestern die große Freude, wieder die Schallaburg besuchen zu können, wo von 9.04 bis 6.11.2022 eine spannende Jahresausstellung, diesmal zu den „Reiternomanden in Europa“, wie diese betitelt wurde, organisiert worden ist. Der Sichtpunkt betraf vier Steppenvölker Asiens – Hunnen, Awaren, Bulgaren und Ungarn – in Europa des Frühmittelalters. Da diese Reiternomaden selbst keine Städte, sogar keine dauerhaften Häuser – zum Besipiel aus Stein – bauten, konnten auch kaum welche Funde der materiellen Kultur denen zugeschrieben werden, mit Ausnahme jedoch der in den zahlreichen Grabstätten gelegten Gaben: Schwerten aus Eisen, Schmuckstücken diverser Art, Krügen aus Keramik und Metall, Tierfellen bzw. anderen Gegenständen des täglichen Gebrauches. Klarerweise auch Skelette und Knochenreste blieben hier im mehr oder weniger gutem Zustand, wobei die ebenso in den Gräbern gefundenen Kleidungsstücke fast gänzlich fehlten. Die zerbrechlichen Textilien hatten den Kampf gegen die zerstörerische Wirkung der Zeit längst verloren.

Auf dem Rücken des Pferdes

Möglicherweise die stärkste Assoziierung, die man mit den Reiternomanden in Europa schon vom Anfang an hatte, ist das Pferd. Dieses so schön, aber auch seit Tausenden von Jahren für den Menschen so nützliches Tier weist im Rahmen seiner „Familie“, die heutzutage über 200 Pferderasen beinhaltet, überraschende Unterschiede auf, um nur das um Hunderte von Kilogrammen varierte und bei manchen Rasen sogar mehr als 1 Tonne erreichende Gewicht zu nennen! Wenn man dazu nimmt, dass die durch die Reiternomaden benutzten Pferde des eurasiatischen Steppenraumes nur im Durchschnitt 350 wogen, waren diese fast drei mal kleiner, als die europäischen.

Die Schallaburg

Auch die heurige Ausstellung enttäuschte nicht. Die „Reiternomanden in Europa“ zeigten sich u.a. aus der familiären Seite, dank vereinfachten Grafiken auf den Wänden der stimmungsvoll arrangierten Austellungsräumen, wo nicht nur die mit Bögen und Lanzen bewaffneten Krieger zu sehen waren, sondern hautpsächlich ganze Familien – Männer, Frauen und Kinder – während der langen Reise nach Europa, in Begleitung unzälliger Viehherden. Schließlich zwei von vier erwähnten Steppenvölker doch gelang es, eine sesshafte Lebensweise zu führen, obwohl sich diese – zumindest für die ersten Generationen der Ansiedler – vom bisherigen Leben auf der Steppe so stark unterschied.

Jetzt kommt die Zeit für die Lektüre des Ausstellungskatalogs. Dank diesem schön gestaltenden Album werde ich mich die Exponate erinnern können und über die Reiternomaden denken, die sich im Jahre 2022 virtuell auf der Schallaburg trafen.