Wiener Pfennige
Die Wiener Altstadt pulsiert vom frühen Nachmittag bis spät in den Abend – unabhängig vom Wochentag oder der Jahreszeit. Breite Einkaufsstraßen wie Graben, Kärntner Straße und Kohlmarkt verbinden sich mit einem Labyrinth aus Gassen und Plätzen, die kleine Mikrokosmen voller Geschichte bilden. Ein kurzer Abstecher genügt, um sich plötzlich um Jahrzehnte, Jahrhunderte oder gar zwei Jahrtausende in die Vergangenheit versetzt zu fühlen.
Ich habe gelernt, dass man bei einem Besuch der Inneren Stadt – des ersten Wiener Bezirks, der die gesamte Altstadt umfasst – stets eine Kamera dabeihaben sollte. Bei einem meiner Spaziergänge entdeckte ich ein bronzenes Relief, das an die ersten in Wien geprägten Münzen erinnert – die sogenannten Wiener Pfennige.
Gedenktafel
Die bronzene Tafel (ca. 60 × 100 cm) befindet sich im Durchgang unter dem Gebäude Hoher Markt 4. Ich fotografierte sie von außen und korrigierte die Perspektive später am Computer, sodass es wirkt, als stünde ich direkt davor.
Im Zentrum der Tafel befindet sich eine kreisförmige Szene, die die Arbeit in einer mittelalterlichen Münzwerkstatt zeigt. Oben im Kreis steht ein Hinweis auf das 800-jährige Jubiläum der ersten Wiener Münzstätte im Jahr 1194. Die Information ist zweisprachig: links auf Deutsch, rechts auf Englisch.
Die Szene zeigt fünf Handwerker bei der Münzherstellung:
- Probierer – prüft Gewicht und Reinheit des Metalls.
- Gießer – schmilzt Silber, z. B. aus Kelchen, Schalen oder Schmuck.
- Blechausklopfer – bereitet das Münzblech für die Rohlinge vor.
- Ein weiterer Handwerker – seine Funktion ist mir nicht ganz klar; er sitzt an einem Tisch mit Waage und Gefäß und entnimmt mit einer Zange Münzrohlinge.
- Münzmeister – prägt Münzen mit Hammer und Stempel.
Der zweisprachige Text lautet:
Zur 800 Jahr Feier. In diesem Areal gründete Herzog Leopold V. 1194 die erste Prägestätte in Wien, um Wiener Pfennige aus dem Silber des Lösegeldes für König Richard Löwenherz zu prägen. Münze Österreich 1994.
Die Tafel wurde 1994 von der Münze Österreich [1] gestiftet und enthüllt. Der Name des Künstlers ist nicht angegeben, doch über dem linken Fuß einer Figur sind Initialen zu erkennen – möglicherweise die Signatur.
Die Wiener Münzstätte
Im Zuge eines Konflikts zwischen Herzog Leopold V. von Österreich und König Richard Löwenherz von England bei Akkon wurde Richard in der Nähe von Wien gefangen genommen. Infolge der Zahlung eines hohen Lösegelds entstand 1194 am heutigen Standort Hoher Markt 4 die erste Wiener Münzstätte. Sie wurde aus Krems an der Donau verlegt, wo zwischen 1130 und 1190 bereits Krems-Pfennige geprägt wurden [2].
Die Münzstätte blieb nicht lange an diesem Ort. Weitere Standorte laut Informationsbroschüre von 1994 [3], als Ahang zur der 1000-Schilling-Gedenkmünze:
- ab 1194: Hoher Markt 4
- ab 1397: Wollzeile
- ab 1752: Himmelpfortgasse
- ab 1835 bis heute: Am Heumarkt
Wiener Pfennige
Die schöne Gedenkmünze von 1994 hat heute einen Marktwert, der den Materialwert von Gold und Silber deutlich übersteigt [4]. Wie sahen die Pfennige aus, die ab 1194 in Wien geprägt wurden?
Verglichen mit den heutigen, in höchster Präzision gefertigten und kunstvoll gestalteten Numismata der Münze Österreich wirken die mittelalterlichen Pfennige von schlichter, beinahe archaischer Einfachheit [5]. Ihre Gestaltung war nicht ihre stärkste Seite, entsprach aber den damaligen Standards in Europa.
Richard Löwenherz und Österreich
Die Entdeckung der Tafel am Hohen Markt 4 bildet für mich einen symbolischen Schlusspunkt meiner Serie über die Rivalität zwischen Leopold und Richard. Zwar gäbe es noch zahlreiche Aspekte – etwa zur Gefangenschaft des englischen Königs oder zur Sammlung des Lösegeldes –, doch möchte ich mich vorerst auf Korrekturen beschränken, falls sich in einzelnen Passagen noch Ungenauigkeiten finden.
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