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Inschrift am Erker: „JHWH, IEHOVAE Bonitate constantissime moriar, 1678“. Fürstliches Haus in Dresden.
   

Fürstliches Haus in Dresden

Die Schloßstraße in Dresden, eine knapp dreihundert Meter lange Straße, die von Süden nach Norden führt, beginnt unter ihrer Nummer 2 am Kulturpalast aus dem Jahre 1969, also der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik, und endet am Renaissancebau Georgentor – dem ehemaligen Stadttor. Ein Spaziergang im Schatten ihrer Häuser ist eine Art Zeitreise von der Moderne zur Blütezeit Dresdens im 17. und 18. Jahrhundert. Etwa in der Mitte der Route, an der Ecke Sporergasse, fällt – früher unter der Nummer 30 und heute unter der Nummer 14 – ein Gebäude auf [1], Fürstliches Haus genannt.

Auf seinem Erker trägt es folgende Inschrift:

JHWH, IEHOVAE Bonitate constantissime moriar, 1678.

Die ersten vier Buchstaben der Inschrift (vergoldet), die auf Hebräisch geschrieben sind – von rechts nach links, sind Konsonanten, die den Namen Gottes [2] in der verkürzten Form des sogenannten Tetragramms (JHWH) bilden. Weiter unten in lateinischer Sprache, schon mit Vokalen, bildet es einen Satz, in dem der Name des allmächtigen Gottes in Großbuchstaben (IEHOVAe) geschrieben ist, um seine Bedeutung zu betonen. Am Ende sieht man noch das Jahr, in dem die neuen Eigentümer das Gebäude umgebaut haben, ihr Leben dem Schöpfer gemäß dem genannten Satz anvertrauend.

Eine Suche nach Informationen zu diesem Gebäude im Internet muss zwangsläufig mit dem Auffinden auf der Karte beginnen, da man bei einem Rundgang durch die Altstadt selten auf Straßennamen und noch weniger auf Hausnummern achtet. Hier wartet jedoch eine Überraschung, denn nicht nur dieses Eckhaus, sondern auch das gesamte Viertel ist laut Google Maps [3] (Stand 17.01.2023*) praktisch eine Baustelle.

Das historische Gebäude Fürstliches Haus in Dresden wurde während des Bombardements in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 vollständig zerstört. Erst im 21. Jahrhundert konnte es in Zusammenarbeit mit dem IPROconsult-Büro von der Firma Baywobau Dresden [4] wiederaufgebaut werden. Die Wiederherstellung des Objektes erfolgte mit größter Sorgfalt, um die alten architektonischen Elemente einschließlich des Erkers und seiner eleganten Inschrift so originalgetreu wie möglich zu kopieren. Das Gebäude wurde am 31. Dezember 2021 der Öffentlichkeit übergeben.

* Als ich einige Monate nach Verfassen des Artikels (ursprünglich auf Polnisch) auf Google Maps auf diesen Ort schaute, war das Viertel als bereits bebaut dargestellt.


Externe Links

  1. [↑] Ein Foto der Fassade aus dem Jahr 1900, auf Wikipedia.
  2. [↑] Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania, Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, 2011, Stichwort: Jehova.
  3. [↑] Satellitenbild auf Google Maps.
  4. [↑] Artikel mit Vergleichsfotos, gewidmet den Herausforderungen bei der Rekonstruktion des Viertels im Zusammenhang mit Planung und Bau.
Autor: Veröffentlicht im: 2023/11Zuletzt aktualisiert im: 2024/05Kategorien: SachsenAufrufe: 719
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